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Respekt

von hier klicken modedroge

Es ereignete sich, dass Menschen in meinem Beisein über Respekt diskutierten. Lässt man die nonverbalen, indirekten und unterschwelligen Attacken/Bauchpinseleien/Seitenhiebe/Anspielungen beiseite, so stößt man auf das magere Ergebnis, dass viele Leute die Ansicht zur Schau tragen, man müsse sich ihren Respekt zunächst einmal verdienen.

Das ist nicht weiter bemerkenswert, solange man dabei übersieht, dass ebendiese Leute selbst durchaus respektiert werden wollen, und zwar möglichst ohne vorherige Sonderleistungen. Bedenklich wird es, wenn man sich obendrein vorstellt, ein jeder Mensch würde sich eisern und beharrlich mit dieser Einstellung bewehren: Es liefe darauf hinaus, dass keiner dem Anderen von vornherein Respekt zollt. Auf diese Weise kann sich jedoch auch niemand spontan Respekt verdienen, und letztlich ist ohnehin kein Mensch mehr am Respekt des Anderen interessiert, weil Letzterer ja von vornherein respektlos war und somit selbst gar keine Achtung mehr verdient.


Oder habe ich da etwas Fundamentales missverstanden, und Respektlosigkeit ist am Ende gar nicht das Gegenteil von Respekt? (Im schlimmsten Fall habe ich sogar das Wort „Respekt“ fehlgedeutet, dann wäre sowieso alles für die Katz und man muss hoffen, dass sich nächsten Sonntag mal einer zusammenreißt und mit etwas Sinnvollem daherkommt.) Dann möchte ich aber zumindest wissen, wie man einen Menschen behandelt, bevor er sich als respektwürdig erwiesen hat.


Und wie müsste ich es, wenn wir weiterhin von dieser Theorie ausgehen, überhaupt anstellen, dass mich ein anderer Mensch als respektwürdig anerkennt? Soll ich es, der Einfachheit halber, erst einmal damit probieren, ihm meinerseits mit einem grundlegenden Maß an Respekt zu begegnen? Das wäre eine Möglichkeit. Aus meiner Sicht wäre sie allerdings ungerecht; in einer Welt, in der man sich den Respekt seines Gegenübers erst verdienen muss, will ich ja wohl nicht der Erste und Einzige sein, der von vornherein und ohne irgendwelche Auflagen blindlings Respekt zollt! Das bringt meine Rangordnungen völlig durcheinander, insofern, als ich dann sofort ganz unten wäre, und dann ist es sowieso ganz aus mit dem Respekt. Womit diese Option auch gestorben wäre.


Nächster Versuch: Vielleicht besteht die Lösung in einem praktischen Zufall: Es soll ja Leute geben, die, einfach so, eine „Respekt einflößende Art“ an sich haben. Dazu müssen sie, sofern ich alles kapiert habe, noch nicht einmal den Mund aufmachen. Das ist so eine Ausstrahlungssache.


Hier allerdings gerate ich schon wieder in Definitionsbedrängnis: Wenn noch nicht einmal geklärt ist, was Respekt (geschweige denn sein Gegenteil) im Einzelnen bedeutet, wie soll ich mir dann jemals eine Person vorstellen, die inhärent Respekt einflößend ist? Gibt es denn, umgekehrt, auch Personen, die einem spontan Respektlosigkeit einflößen?


Wo, um Himmels willen, ist die Quelle des natürlichen und unverdienten Respekts?


Ich mache mich umgehend auf die Suche. Falls sie sich zufällig in einem Wald befindet, kann es sogar sein, dass ich auf ein Einhorn treffe, das sich darin spiegelt. Und dann begreife ich vielleicht schlagartig, was Respekt ist.
19.2.12 00:28
 
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