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Bier, Holz und Kind an Bord
von modedroge
Vermehrung: das Normalste von der Welt! Normaler noch als Toilettenbesuche, Unwahrheiten und der Tod, den man ja bei der Zeugung kostenlos obendrauf legt, großzügig wie man ist. Aber an so etwas denkt man lieber nicht in einer solchen Situation. Man denkt eh zu viel (sagt der Volksmund), und machen kann man sowieso nichts, es ist wie es ist, sagt der Kitschterrorist, Zitat Ende, um seine Gefühle unverblümt auf seiner Pinnwand, seinem Profil, zu zeigen wie ein echter Mann. Und vor der Tür seines dörflichen Einfamilienhauses stehen Bierkästen, Brennholz und Dreirad. Und auf dem Dreirad sitzt Zwerg Fell, der kichernde Kobold, und ruft: „Finde den Fehler“. Aber Letzteren habe wahrscheinlich wieder nur ich gesehen. Bleiben wir also lieber bei Kind, Holz, Bierbauch und all den schönen Dingen, die man sonst noch vor sich herträgt, wenn man etwas vorzuzeigen hat.
Man zeigt sich gerne wie und wo man kann, am liebsten bis in das dritte und vierte Glied, zunächst aber ganz pragmatisch in Form eines Aufklebers, den man bestellt, bezahlt und sorgfältig am Hinterteil des Familienkombis angebracht hat, aber immer mit der Ruhe, damit er wenigstens keine Falten schlägt und der übellaunige Psychopath, der womöglich an der Ampel oder in einem Stau hinter einem ins Rasen gerät, bequem und in aller Ruhe erkennen kann: Hier bietet sich die Gelegenheit, eine ganze Familie auszulöschen. „Ich weiß, wie deine Kinder heißen“ – galt das nicht bis vor kurzem noch als Drohung?
Und warum gibt es mittlerweile so viele von diesen Aufklebern?
Die Varianten, die sich mir spontan aufdrängen, sind die folgenden:
1. Es handelt sich um einen Beschwichtigungsversuch. 1.1 „In diesem Fahrzeug treibt sich kein alleinstehendes, kiffendes Luder herum, das aus Selbstsucht und Untüchtigkeit seine Mutterpflicht missachtet, sondern im Gegenteil eine sinnvolle, staatstragende Einheit, um die es ungemein schade wäre. Halten Sie also Abstand, damit Sie nicht unser junges Glück gefährden.“ 1.2 „Haben Sie Erbarmen, wir haben genug mit uns selbst und diesen Kindern, da können wir nicht auch noch Drängler, Auffahrunfälle, Einbrüche und die restlichen Sauereien gebrauchen, die uns gerade nicht einfallen, weil wir vor Übernächtigung und Geldsorgen nicht mehr klar denken können.“
2. Die Eltern brüsten sich damit, dass sie sich in diesem Land sowohl Kinder als auch ein Auto leisten können. Auf diese Art versuchen sie, vorsätzlich, Neid zu provozieren: den guten Fraß, von dem so mancher zehrt, der es sich erlauben kann.
Ich überlege mittlerweile, einen Aufkleber mit der Aufschrift „Philologin an Bord“ zu bestellen, aber bis die Rechnung kommt, klebt vermutlich schon ein Pfandsiegel am Türgriff. Bevor es so weit ist, sollte ich versuchen, das Fahrzeug schnellstmöglich gegen einen Eselskarren einzutauschen, so etwas würde mir ohnehin viel eher entsprechen, möglichst mit einem Rennpferd im Joch. Das Gespann würde ich fotografieren und die Aufnahme bei Facebook als Profilbild veröffentlichen, damit ich endlich einen Seufzer der Selbstgefälligkeit loswerden kann, sobald mich der erste dieser Freunde fragt, ob das meins ist, oder wie es heißt.
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